Bert Heinzelmeier, München

Nominierung BDA Preis Bayern 2019

Altes Garmisch neu gelebt

Garmisch-Partenkirchen

Bert Heinzelmeier, München

Altes Garmisch neu gelebt

Garmisch-Partenkirchen
Architekt
Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner, Greifbenberg/München
Bauherr
VEHBL Baugemeinschaft/gap.Quartiersentwicklungsgesellschaft, Konstanz

Nominierung

BDA Preis Bayern 2019 – Bauen im Bestand / Denkmal

Während das Prädikat «regional» unter Liebhabern guten Essens als Zeichen für Qualität verstanden wird, ist es in der Architektur eher ein zweideutiger Begriff: handwerklich gut gemacht, aber altbacken im Stil. Wer in Garmisch-Partenkirchen regionale Architektur zeitgenössisch interpretieren will, muss Grundlagenarbeit leisten. Eine lokale Bautradition, die an Holzschnitzornamenten und Fassadenmalereien aus dem Vollen schöpft, tut sich mit dem Neuen schwer.

Das ehemalige Krankenhausareal bot viel Fläche für ein beispielhaftes Projekt in zentraler Lage: ein verdichtetes Stadtquartier, umgesetzt von einer Baugemeinschaft. Eine dreiseitige Wohnbebauung aus freistehenden Einfamilienhäusern und Doppelhäusern umschließt einen naturnah gestalteten Innenhof. 21 Häuser mit insgesamt 27 Einheiten bieten Arbeiten und Wohnen auf drei Ebenen. Die Häuser variieren in Größe, Grundriss und Ausstattung. Gemein sind ihnen jedoch ausladende Satteldachflächen und langgestreckte Balkone an der Giebelseite, die der umgebenden Bebauung entlehnt sind. Statt verzierter Holzverkleidungen kamen horizontale, mit großem Abstand montierte Lärchenleisten zum Einsatz, die die Gebäude in ihrer Kubatur fassen und zu einem Ensemble fügen.

Entlang der stark frequentierten St.-Martin-Straße wird die Wohnbebauung um einen Riegel mit Hotelnutzung ergänzt, der den Schall abblockt. Im Vergleich zu den Wohnbauten wirkt der längliche Baukörper des Hotels weniger rustikal. Eine gezackte Dachkante ahmt die Gipfelkette der bergigen Landschaft nach. Drei Bestandsgebäude wurden in das Konzept integriert und beeinflussen die Gestaltung. Drechselarbeiten einer alten Villa finden sich in der Straßenfassade des Hotelriegels wieder. Sie bleiben dabei nicht nur schmückendes Element, sondern sind auch mit einer sinnvollen Nutzung verbunden. Hinter den Ausschnitten in der Lärchenschalung verbirgt sich ein Lüftungsschrank, in dem die verschwitzten Wanderklamotten sauber und luftumspült aufbewahrt werden können.

Die Gebäude sind aus massiven Brettsperrholzplatten auf einem Untergeschoss aus Ortbeton errichtet. Hofseitig ist dem Hotel ein Betonskelett vorgestellt. Hier liegt die Laubengangerschließung der Apartments. Das Hotel setzt inhaltlich auf Öko. Unbehandelte Fichtenholzoberflächen, Beleuchtungskörper aus recycelten Feuerlöschern, WLAN-freies Schlafen und Bio-Essen im hauseigenen Restaurant ergänzen das architektonische Konzept. Das Quartier stellt sich nicht gegen lokal verortete Baustile, sondern verhilft ihnen zum Sprung in ein neues Zeitalter. Bio und regional — die Foodies würden sich freuen!